„Wir versäumen es, die Potenziale der heimischen Holzenergie zu nutzen“, so Helmut Schellinger zur Begrüßung beim Branchentag des Deutschen Pelletinstituts (Depi) in Würzburg. Der Vorsitzende beim Deutschen Energieholz- und Pellet-Verband (DEPV) erinnerte daran, dass für Pelletheizungen beim Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) und auch bei der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) weiterhin attraktive Förderbedingungen gelten.
Verunsicherung durch neues Qualitätssystem
Gründe für die aktuell schwierige Marktsituation sieht er aber nicht nur bei einem ohnehin schwachen Heizungsmarkt, sondern auch bei öffentlichen Akteuren, die Vorurteile schürten. „Damit die Vorzüge von Pelletheizungen Handwerk und Verbraucher wieder stärker vermittelt werden können, ist eine gemeinsame Anstrengung der gesamten Branche erforderlich“, bekräftigte er. Einige Pellethersteller verhielten sich derzeit jedoch gegenteilig. Der DEPV-Vorsitzende erwähnte explizit die Initiative „einiger großer Pelletproduzenten“, die mit einem eigenen Qualitätssystem den Markt und Interessenten verunsicherten.
Im Juni 2025 hatten die neun Hersteller Schwaiger Holzindustrie, Rettenmeier, Ante-Holz, Binderholz, Holzwerke Weinzierl, Holzwerke van Roje, Westerwälder Holzwerke, EnergiePellets Hosenfeld und Ladenburger, die nach eigenen Angaben zusammen mehr als die Hälfte der deutschen Pelletproduktion repräsentieren, die Gütegemeinschaft Climate Premium Pellets e. V. (CPP) gegründet und damit ein neues, eigenes branchengetragenes RAL-Qualitätssystem initiiert. Es soll über die bisherige technische Pelletqualität hinausgehen und zusätzlich nachweisbare Nachhaltigkeit sowie den CO₂-Fußabdruck abdecken.
Im August hatte das DEPV-Gründungsmitglied Westerwälder Holzpellets angekündigt, seine ENplus-Zertifizierung zum 31. Dezember 2026 auslaufen und die Pellets künftig nach dem CPP-Standard zertifizieren zu lassen. Zur Begründung nennt das Unternehmen als wesentliche Punkte des CPP-Standards die Premiumqualität nach DIN EN ISO 17225-2 mit zusätzlich strengeren Anforderungen an verschiedene Qualitätsmerkmale, nachhaltige Rohstoffherkunft auf Basis einer SURE-Zertifizierung entsprechend den Anforderungen der europäischen RED-III-Richtlinie, verbindliche Nachweise zum CO₂-Fußabdruck entlang der Wertschöpfungskette und eine transparente und nachvollziehbare Klimabilanz.
„Nicht alle Holzpellets weisen die gleiche Klimabilanz auf“, heißt es in einem vom Geschäftsführenden Gesellschafter Markus Mann veröffentlichten Schreiben. „Zwischen regional produzierten Pellets und Pellets, die beispielsweise mit einem CO₂-intensiven Strommix hergestellt oder über weite Strecken – etwa aus Nord- oder Südamerika – nach Europa transportiert werden, bestehen erhebliche Unterschiede hinsichtlich ihres tatsächlichen CO₂-Fußabdrucks.“

Markt für Pelletheizungen im Fokus
Beim Depi-Branchentag beleuchten Ludwig Friedl, Geschäftsführer der Energieagentur Regensburg und Vorsitzender des Landesvereins Bayerischer Energieagenturen, sowie Dr. Wolfgang Schwarz, Hauptgeschäftsführer beim bayerischen Fachverband Sanitär, Heizung und Klima, die „Vorbildfunktion“ des Freistaats Bayern als Land mit der höchsten Dichte an Pelletheizungen. Sie waren sich einig, dass mittlerweile erheblicher Aufwand vonnöten sei, um Handwerk und öffentliche Hand das komplexe System des Heizens mit Pellets zu vermitteln – auch im holzenergiefreundlichen Bayern.
„Das SHK-Handwerk in Bayern ist in großen Teilen weiter vom Energieträger Holz, speziell auch von Pellets, überzeugt“, betonte Dr. Wolfgang Schwarz. „Unsere Heizungsbauer verfügen über die notwendigen Spezialkenntnisse, wie dem Zusammenspiel von Lager und Heizung für die Pelletqualität.“
Ludwig Friedl sieht keinen Grund, Wärmenetze und Einzelheizungen als Konkurrenz anzusehen. Beide hätten das Ziel, Öl- und Gasheizungen zu ersetzen. „Auch werden neue Wärmenetze viel seltener umgesetzt als angenommen, so dass die Pelletheizung auch weiterhin zur erneuerbaren Wärmewende im Freistaat benötigt wird.“

Gezielte politische Interessenvertretung sei wegen einiger offener Punkte bei GModG und BEG nötig und vor allem wegen „Querschüssen“ wie die für 2027 geplante Verschärfung der Emissionsvorgaben bei der Förderung von Pelletheizungen. „Hybride Systeme aus Wärmepumpe und Pelletofen mit Wassertasche oder Pelletkessel bieten eine hohe Zukunftssicherheit im Hinblick auf Gesamteffizienz, Komfort und Resilienz“, war das Fazit von Dr. Volker Lenz vom Biomasseforschungszentrum Leipzig.
