Ein Pilotprojekt von Georg Fischer (GF) soll in Obermarchtal zeigen, wie die KI-gestützte Heizungssteuerung EcoMate Energiekosten senken und CO₂ sparen kann. Die Ausgangslage in der Gemeinde mit rund 1.300 Einwohnern am Fuße der Schwäbischen Alb ist typisch für viele Kommunen: Die Hackschnitzelheizung der Grundschule ist ökologisch sinnvoll, aber im Betrieb teuer. Rund 10.000 Euro pro Jahr verschlingt die Wärmeversorgung des Gebäudes. Gleichzeitig schwankt der Bedarf stark aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen bei Schulbetrieb, Nachmittagsbetreuung, Wochenende, Ferien und an Feiertage.
Bisher reagierte die Anlage fast ausschließlich auf die Außentemperatur, nicht auf die tatsächliche Nutzung. „Mit unserem Vorschlag, den Energiebedarf auf Basis unserer Innovation GF EcoMate zu senken, sind wir bei Bürgermeister Martin Krämer sofort auf offene Ohren gestoßen“, sagt Jasmin Kabella, EcoMate-Spezialistin bei GF Building Flow Solutions in Ehingen. Und auch die Gemeinderäte von Obermarchtal seien nach einer Vorstellung des Systems schnell überzeugt gewesen.
GF-Servicetechniker haben das System bereits am Tag nach der Entscheidung installiert – ohne bauliche Eingriffe in das Heizsystem, wie Peter Steib, Product Manager Digital Service bei GF, betont: „Das System greift nicht in das Wärmeverteilnetz ein, es ersetzt auch keine Heiztechnik, sondern basiert auf Künstlicher Intelligenz. „Wir nutzen die vorhandene Heiztechnik, erweitern sie um intelligente Sensorik und eine cloudbasierte Optimierung.“
In gut zwei Stunden wurden im laufenden Betrieb mehrere IoT-Sensoren, ein Wärmemengenzähler mit Ultraschall sowie die Kommunikationshardware montiert und mit der intelligenten Software verbunden. Seitdem analysiert GF EcoMate in Echtzeit Wetterprognosen, Raum- und Vorlauftemperaturen, Nutzungszeiten und das thermische Verhalten des Gebäudes. Daraus entstehen selbstlernend Heizpläne, die sich an veränderte Bedingungen anpassen. „In der Praxis sehen wir im Mittel rund 25 Prozent Energieeinsparung – ohne Komfortverlust“, so Peter Steib.
Einsparungsbasiertes Geschäftsmodell
„Wir testen hier eine intelligente Heizungssteuerung, die ohne finanzielles Risiko für die Gemeinde Kosten sparen und die CO₂-Emissionen reduzieren kann“, sagt Bürgermeister Martin Krämer, für den es auch um eine Blaupause für die gesamte Kommune geht: Keine baulichen Eingriffe, keine Vorabinvestition, eine Installation in wenigen Stunden – das war für ihn ein Angebot, das er nicht ablehnen konnte. „Wenn es gut läuft, wollen wir das System in weiteren gemeindeeigenen Gebäuden installieren“.
Besonders überzeugt ihn das Geschäftsmodell, das GF hier erstmals mit einem gemeindlichen Träger umgesetzt hat: Geld fließt nur, wenn tatsächlich Kosteneinsparungen erzielt werden. Davon gehen 50 Prozent an Georg Fischer als Vergütung, die andere Hälfte bessert die Gemeindekasse auf. Die prognostizierten durchschnittlich 20 bis 30 Prozent Energieeinsparung würden in Obermarchtal rund 2.500 Euro weniger Energiekosten pro Jahr allein in der Grundschule bedeuten.
Gerade für öffentliche Auftraggeber ist aus Sicht von Jasmin Kabella entscheidend, dass EcoMate nicht als klassisches Investitionsprojekt angelegt ist. „Das einsparungsbasierte Modell nimmt Kommunen die Angst vor hohen Anfangskosten, denn es fallen für den Gebäudeeigentümer keine Investitionen an.“ Die Technik amortisiere sich aus sich selbst heraus – das erleichtere politische Entscheidungen enorm. Sollte das System nicht den Erwartungen entsprechen, könne es unkompliziert wieder demontiert werden. GF arbeitet nach eigenen Angaben derzeit an der Ausarbeitung weiterer Projekte und Vereinbarungen in ganz Deutschland.
„Dieses Projekt wird Strahlkraft auch auf andere Kommunen haben“, ist Bürgermeister Martin Krämer sicher. „Wir müssen als öffentliche Hand zeigen, dass Klimaschutz nicht automatisch hohe Investitionen bedeutet, sondern auch mit intelligentem Betrieb beginnt.“ Mit dem Online-Dashboard hat der zuständige Mitarbeiter der Gemeinde immer einen vollständigen Überblick über die Energieeffizienz des Gebäudes. Er erhält Echtzeitdaten zu Systemstatus, Energieverbrauch oder erzielten CO₂-Reduktionen.
„Mit Daten heizen statt nach Gefühl“
Auch Kommunen denken nach Angaben von GF längst nicht mehr nur in Kilowattstunden. Themen wie Klimaschutz, Gebäudewert und Förderbedingungen rücken auch bei der öffentlichen Hand stärker in den Fokus. Eine Schule, deren Heizenergie dokumentiert effizienter genutzt wird, fällt positiv auf. GF EcoMate liefert dafür die Grundlage: ein tagesaktueller Überblick über Verbrauch, Einsparung und CO₂-Emissionen – ohne aufwendige manuelle Auswertungen. Für Entscheider in Kommunen oder öffentlichen Einrichtungen bedeutet das: bessere Argumente gegenüber Kämmerern, Gremien und Aufsichtsbehörden.

Das Projekt im Heizungsraum der Grundschule Obermarchtal zeige, was heute möglich ist: Nicht jeder ältere Wärmeerzeuger wird sofort ausgetauscht, nicht jedes Gebäude vollständig energetisch saniert. Aber nahezu jede Anlage kann intelligenter betrieben werden. Oder, wie es Peter Steib zusammenfasst: „GF EcoMate ist kein Ersatz für energetische Modernisierung – aber es ist der Turbo, der Bestandsgebäude schnell auf einen besseren Pfad bringt. Wer heute mit Daten heizt statt nach Gefühl, verschafft sich in der Wärmewende einen echten Vorsprung.“
