„Mehr Selbstbewusstsein und eine klare Strategie für den Ausbau der Energieerzeugung in Deutschland“, fordert Christian Hower-Knobloch, CEO des Biomethan-Produzenten Nexogas. Angesichts der massiven Preissteigerungen bei Öl und Erdgas sei Aktionismus in der öffentlichen Debatte nicht zielführend. Allein beim Erdgas habe sich der Preis seit dem Angriff auf den Iran an der Börse von 31 Euro auf zeitweise über 70 Euro mehr als verdoppelt. „Wir müssen mehr heimische Energie produzieren und uns unabhängiger machen von fossilen Energieträgern und Importen“, sagt Hower-Knobloch.
„Wir sehen eine zunehmend machtpolitisch geprägte internationale Energiepolitik mit kaum bezifferbaren Kosten für die deutsche Wirtschaft“, so Hower-Knobloch. Die Blockade der Straße von Hormus sei nur das aktuellste in einer Reihe von Beispielen, die Industrie, Logistik, die Agrarwirtschaft und Verbraucher zum Spielball internationaler Konflikte machen. „Das Teuerste an Energie ist nicht der Preis. Es ist die Abhängigkeit“, warnt der Chef des Biomethan-Unternehmens mit Sitz im niedersächsischen Bakum. „Dabei haben wir in Deutschland doch erhebliches Potenzial, mehr Energie selbst zu erzeugen. Wir als Biomethanhersteller sind bereit – wenn man uns lässt“.
Biomethan statt Erdgas: Chemisch identisch und klimaneutral
Nexogas produziert an zehn Standorten in Deutschland Biogas, derzeit rund 400 Gigawattstunden (GWh) im Jahr. Einige der Anlagen bereiten das Biogas zu hochreinem Biomethan auf. Dieses ist chemisch identisch mit fossilem Erdgas, wird aber überwiegend aus landwirtschaftlichen Reststoffen wie Gülle und Mist erzeugt. Und Nexogas will nach eigenen Aussagen wachsen. In den kommenden vier Jahren soll die Produktion von Biomethan verfünffacht werden.
Die Finanzmittel für die Investitionen stehen nach Angaben des Biogas-Produzenten bereit. Ob der Ausbau auch stattfinden kann, hänge daran, ob die regulatorischen Rahmenbedingungen ein Investment möglich machen. Kunden für das Biomethan kommen aus allen Bereichen – von Stadtwerken über die Industrie bis zu Kraftstoffproduzenten von Bio-LNG und Bio-CNG, also Flüssiggas und verdichtetem Gas, das als klimaneutraler Treibstoff für den Schwerlastverkehr und die Schifffahrt zunehmend Bedeutung gewinne.
28 Milliarden Euro Biomethan-Investments in Europa
In Deutschland werden aktuell etwa 11 Terawattstunden (TWh) Biomethan ins Gasnetz eingespeist. „Bis 2030 könnte die Menge auf 100 TWh ausgebaut werden – das entspricht immerhin knapp 12 Prozent des aktuellen Gasverbrauchs in Deutschland“, skizziert Christian Hower-Knobloch die Chancen für mehr Unabhängigkeit durch eine Produktion in Deutschland.
Auch das europäische Ausland setze stark auf den Ausbau von Biomethan. Schätzungen gehen demnach von einem Investmentvolumen in Höhe von 28 Milliarden Euro aus – nur in dieses Segment. In den Nachbarstaaten werde der Ausbau strategisch geplant und durch Anreize wie steigende Beimischung von „Grünen Gasen“ in das Gasnetz und Investitionen in die Infrastruktur gezielt gefördert. Großbritannien und Italien etwa wollen ihre Produktion bis 2030 auf 50 TWh massiv ausbauen, in Spanien sehe der spanische Gasverband ein Potenzial von bis zu 163 TWh Biomethan-Produktion pro Jahr. Damit folgen die Länder auch dem REPowerEU-Aktionsplan der EU-Kommission, der bis 2030 einen Ausbau der Biomethan-Produktion auf 370 TWh erreichen will.
Sichere Rahmenbedingungen gefordert
Während die Nachbarländer klare Rahmenbedingungen für den Biomethan-Ausbau schaffen, kämpfe die heimische Branche mit unklaren Bedingungen. Ob eine neue Anlage ans Gasnetz angeschlossen wird und die Leitungen über die nächsten 20 Jahre auch weiter zur Verfügung stehen, sei unklar. „Wir wollen investieren, aber dafür brauchen wir Planungssicherheit“, so Christian Hower-Knobloch. Biomethan sei ein Baustein für mehr Unabhängigkeit in der Energieversorgung und leiste einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung von Verkehr, Industrie, Wärme und Strom. „Was wir uns wünschen, ist echte Technologieoffenheit und eine faire Chance für Biomethan.“
Abschließend fasst er seine Argumentation für Biomethan aus Deutschland in sechs Punkten zusammen:
- Biomethan ist ein „Grünes Gas“, das schon jetzt in Deutschland produziert wird und das zur Erreichung der Klimaneutralität beiträgt.
- Biomethan kann den Kommunen bei der Wärmewende helfen, ihre Wärmeversorgung langfristig stärker erneuerbar auszurichten.
- Biomethan ist ein wichtiger Baustein zur Dekarbonisierung des Schwerlastverkehrs und der Schifffahrt.
- Biomethan ist einspeisefähig und kann sofort genutzt werden.
- Je mehr Biomethan im Netz vorhanden ist, desto unabhängiger und resilienter wird Deutschland in der künftigen Gasversorgung.
- Biomethan ist stark ausbaufähig, bis zum Jahr 2030 kann die Biomethan-Branche bis zu 100 TWh Biomethan produzieren und Deutschland so grüner, unabhängiger und resilienter in der Energieversorgung machen.
