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ZVSHK kritisiert Wärmepläne-„Blindflug“

Die „Basisanalyse kommunaler Wärmepläne“ des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) von Dr. Martin Ammon und Justus Thiele (BBSR-Analysen Kompakt 11/2025) berücksichtigt 342 fertiggestellte Wärmepläne. Bild: BBSR

Die kommunale Wärmeplanung soll ein wichtiger Baustein der Wärmewende sein, doch eine kürzlich veröffentlichte Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) auf Basis der ersten 342 veröffentlichten kommunalen Wärmepläne vor allem aus Baden-Württemberg zeigt: Viele davon sind unvollständig, methodisch uneinheitlich und oft realitätsfern, kritisiert Daniel Föst, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK). „Das ist nicht der stabile Rahmen, den Bürgerinnen, Bürger, Unternehmen und Handwerksbetriebe jetzt brauchen.“

Während das BBSR zur besseren Vergleichbarkeit eine stärkere Standardisierung fordert und die kommunale Wärmeplanung als „wesentliches Element der strategischen Planung zur Umsetzung der Wärme- und damit der Energiewende“ sieht, hatte der ZVSHK-Geschäftsführer Technik Andreas Müller, der auch Mitglied im Lenkungskreis der Allianz Freie Wärme ist, die Ergebnisse bereits als „Weckruf an Politik und Verwaltung“ bezeichnet. „Laut BBSR-Untersuchung weichen bisherige Wärmeplanungen deutlich im Umfang, in der Darstellung und in der Informationstiefe voneinander ab.“

Die Wärmewende werde vielerorts noch im Blindflug umgesetzt. „Viele Wärmepläne beruhen offenkundig auf Szenarien, die wahrscheinlich so nicht eintreten – etwa beim zukünftigen Energiebedarf oder bei der Sanierungsquote“, so Andreas Müller. „Wenn politische Vorgaben und Investitionsentscheidungen auf solchen vagen Daten basieren, erhöhen sich zwangsläufig die Risiken, die unmittelbar die Bürgerinnen und Bürger betreffen. Kommunen sollten ihre Wärmeplanungen noch stärker an realistischen Parametern ausrichten, um Fehlentwicklungen und -entscheidungen zu vermeiden.“

„Hausbesitzer sollten jetzt die Heizungsmodernisierung angehen und nicht auf die lange Bank schieben, bis möglicherweise erst in den nächsten Jahren die Projekte aus der Wärmeplanung starten“, empfiehlt er weiter in einer Stellungnahme für die Allianz Freie Wärme, hinter der der GVOB – Gesamtverband OfenBau e.V. aus Kevelaer steht.

„Viele Kommunen setzen einseitig auf Fernwärme und wollen sie mit Anschluss- und Benutzungszwängen verknüpfen“, warnt Daniel Föst und sieht damit Entscheidungen von Hauseigentümern entwertet, die in Wärmepumpen, Biomasse oder hybride Systeme investieren. Das widerspreche dem Grundsatz der Technologieoffenheit im Gebäudeenergiegesetz, schwäche das Vertrauen in die Wärmewende und bremse den Kampf gegen den Klimawandel. „GEG-konforme Heizsysteme müssen Bestandsschutz genießen – ohne Wenn und Aber“, so der ZVSHK-Hauptgeschäftsführer, der politische Korrekturen fordert:

  • Verbindliche Regeln für Bestandsschutz und Befreiung von Anschlusszwängen
  • Frühzeitige Ausweisung dezentraler Wärmegebiete
  • Überarbeitung der 1980 erlassenen Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme (AVBFernwärmeV) zugunsten von Verbraucherrechten und Wettbewerb
  • Realistische Planungsgrundlagen auf Basis belastbarer Daten
  • Trennung des Gebäudeenergie-Gesetzes von der Kommunalen Wärmeplanung