Zeitschrift für Planung, Berechnung und Ausführung
von sanitär-, heizungs- und klimatechnischen Anlagen.

Steigende Heizkosten trotz Sparverhaltens

Der Techem Atlas für Deutschland und Europa, eine interaktive Deutschlandkarte mit Daten auf Ebene der Bundesländer, Postleitzahlregionen und Großstädte sowie einen neuen Downloadbereich mit historischen Atlas-Daten der vergangenen vier Jahre sind auf einer Übersichtsseite im Internet zu finden. Bild: techem.com/corp/de/techem-atlas/der-atlas-2026

Zum Start der Heizsaison liefert der neue Techem Atlas für Energie, Wärme und Wasser Daten von rund 94.000 Gebäuden mit etwa 1,1 Millionen Wohnungen in Deutschland sowie von weiteren 1,1 Millionen Wohnungen in ausgewählten europäischen Ländern aus dem vergangenen Jahr. Die Analyse zeigt: Trotz stabilisierter Energiepreise liegen die Heizkosten weiterhin deutlich über dem Niveau vor der Energiekrise von 2021.

Ursache waren insbesondere die im Vergleich zum Vorjahr niedrigeren Temperaturen während der Heizperiode und der damit verbundene höhere Energieverbrauch. Die Energiepreise bewegten sich 2025 zwar in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Damit lagen sie im Vergleich zu 2021 jedoch weiterhin rund 82 Prozent höher. Zugleich fiel die Heizperiode kälter aus als im Vorjahr. Das führte zu einem höheren Verbrauch und steigenden Heizkosten. Pro Quadratmeter lagen diese 2025 rund 45 Prozent über dem Niveau von 2021.

Große regionale Unterschiede

Ein Blick auf die regionalen Auswertungen zeigt deutliche Unterschiede bei den Heizkosten. Am teuersten ist Heizen im Saarland mit 14,50 Euro pro Quadratmeter, gefolgt von Schleswig-Holstein (12,77 Euro/m2) und Hessen (12,76 Euro/m2). Berlin verzeichnete mit durchschnittlich 10,34 Euro pro Quadratmeter die niedrigsten Heizkosten, Nordrhein-Westfalen (10,69 Euro/m2) und Bremen (10,72 Euro/m2) liegen im Ranking nur knapp darüber.

Auch zwischen den Städten zeigen sich erhebliche Unterschiede. Die höchsten Werte entfielen auf Ravensburg (13,34 Euro/m2), Reutlingen (13,22 Euro/m2) und Sömmerda (13,10 Euro/m2). Die niedrigsten durchschnittlichen Heizkosten wurden in Bielefeld mit 8,99 Euro pro Quadratmeter gemessen. Rheine und Würzburg teilen sich mit jeweils 9,93 Euro pro Quadratmeter den zweiten Platz.

Die interaktive Deutschlandkarte zeigt Daten (hier der Verbrauch für Heizung pro Quadratmeter) auf Ebene der Bundesländer, Postleitzahlregionen und Großstädte. Bild: techem.com/corp/de/techem-atlas/der-atlas-2026/deutschlandkarte
Die interaktive Deutschlandkarte zeigt Daten (hier der Verbrauch für Heizung pro Quadratmeter) auf Ebene der Bundesländer, Postleitzahlregionen und Großstädte. Bild: techem.com/corp/de/techem-atlas/der-atlas-2026/deutschlandkarte

Wärmepumpen haben die niedrigsten Wärmekosten

Gleichzeitig bestätigen die Daten die wirtschaftlichen Vorteile von Wärmepumpen im Mehrfamilienhausbestand trotz noch nicht ausgeschöpfter Effizienzpotenziale: Mit Wärmepumpen versorgte Mehrfamilienhäuser weisen im untersuchten Gebäudebestand im Jahr 2025 die niedrigsten Wärmekosten pro Quadratmeter auf.

Während die Verbrauchskosten bei Wärmepumpen seit 2021 weitgehend stabil geblieben sind, verzeichneten konventionelle Heizsysteme deutliche Anstiege. Die Auswertungen zeigen außerdem, dass etwa 30 Prozent der Wärmepumpen in Mehrfamilienhäusern durch eine optimierte Betriebsführung noch effizienter betrieben werden könnten.

Zugleich zeige die Analyse, dass ein Großteil des Mehrfamilienhausbestands in Deutschland bereits heute technisch für den Einsatz von Niedertemperatursystemen geeignet ist. Rund 40 Prozent der Heizungsanlagen können ohne Austausch der Heizkörper genutzt werden. Mit einem Heizkörpertausch steigt dieser Anteil auf rund 80 Prozent. Werden zusätzlich Niedertemperaturheizkörper (zum Beispiel Gebläseheizkörper) eingesetzt, liegt die Eignung sogar bei rund 90 Prozent.

Ein Großteil des Mehrfamilienhausbestands in Deutschland ist bereits heute technisch für den Einsatz von Niedertemperatursystemen geeignet. Bild: Techem

Digitalisierung erreicht die Zielgerade

Bei der Digitalisierung von Ablesung und Abrechnung sowie beim Ausbau intelligenter Messinfrastruktur zeichnen sich erneut Fortschritte gegenüber dem Vorjahr ab. Bereits heute können 91,4 Prozent der Geräte im deutschen und 92,8 Prozent der Geräte im europäischen Mehrfamilienhausbestand ohne Betreten der Wohnungen ausgelesen werden. Zum Jahreswechsel 2026/2027 endet die europäische Übergangsfrist für die Umstellung auf 100 Prozent Fernablesbarkeit von Erfassungsgeräten.

Der Ausbau intelligenter Messsysteme (Smart Meter) schafft nach Angaben von Techem zugleich die technische Grundlage für neue Energiekonzepte wie Mieterstrom und gemeinschaftliche Gebäudeversorgung. Die Daten zeigen, dass Photovoltaikanlagen auch in den Wintermonaten einen spürbaren Beitrag zur Stromversorgung leisten können. In den untersuchten Gebäuden decken sie mehr als 30 Prozent des Stromverbrauchs.

„Entscheidend ist es jetzt, eine gezielte Modernisierung des Gebäudebestands weiter voranzutreiben und dabei technische Möglichkeiten gezielt einzusetzen“, kommentiert Ulrich Schiller, Co-CEO der Techem Gruppe und CEO Deutschland, die Ergebnisse. „Smart Metering, fernablesbare Messsysteme, digitale Verbrauchstransparenz und ein datenbasierter Betrieb von Gebäuden schaffen die Grundlage, um Energieverbräuche weiter zu reduzieren und die Belastungen aus Energiekosten und der CO₂-Kostenaufteilung für Mieter und Vermieter zu begrenzen.”

Trinkwasserverbrauch bleibt langfristig stabil

Trotz steigender Temperaturen hat sich der Wasserverbrauch in deutschen Mehrfamilienhäusern in den vergangenen zehn Jahren weitgehend konstant entwickelt, ist ein Ergebnis der Analyse. Die Warmwasserbereitung bleibe jedoch ein wesentlicher Energieverbrauchsfaktor und macht rund ein Viertel der für Wärme eingesetzten Energie aus.