Geothermie, bei der Wärme aus Tiefen von weit über 100 m gefördert wird, birgt ein enormes Potenzial als stabile, lokale Quelle erneuerbarer Energie, doch ihr Einsatz war bislang durch die Verfügbarkeit geeigneter unterirdischer Heißwasserreservoirs begrenzt. Das Heat4Ever-System von Green Therma kann mehr Wärme bei höheren Temperaturen an die Oberfläche bringen als andere Closed-Loop-Systeme, bei denen Wasser durch eine abgedichtete Bohrung zirkuliert, Wärme aus der umgebenden geologischen Formation aufnimmt und an die Oberfläche zurückkehrt, wobei kein Formationswasser gefördert oder wieder eingeleitet wird.
Die Besonderheit ist die Isoliertechnologie DualVac, die Temperaturverluste beim aufsteigenden Medium reduziert. Dies soll Tiefengeothermie auch für Städte und Industriestandorte nutzbar machen, die dafür bisher nicht infrage kamen.
Green Therma hat seine Heat4Ever-Technologie nun erfolgreich unter realen geothermischen Betriebsbedingungen an der Forschungsanlage des GFZ Helmholtz-Zentrums für Geoforschung in Groß Schönebeck (Deutschland) eingesetzt. Die Demonstration markiert nach Angaben des Unternehmens einen wichtigen Schritt vom Einbau zum Betrieb. Wasser zirkuliert nun durch das geschlossene System. Die Vakuumdichtheit der DualVac-Isoliertechnologie von Green Therma wurde nachgewiesen und geothermische Wärme wird aus mehr als 3 km Tiefe an die Oberfläche gebracht – mit Temperaturen, die sich direkt nutzen lassen.
„Die Wärme ist bereits da, direkt unter unseren Füßen. Wir müssen lernen, diese gewaltige natürliche Ressource besser zu nutzen und dorthin zu bringen, wo Menschen und Industrie sie brauchen“, sagte Jørgen Peter Rasmussen, Gründer und CEO von Green Therma. Ziel ist, die tiefe geothermische Wärme in Temperaturen an die Oberfläche zu bringen, die sich ohne Wärmepumpen direkt nutzen lassen.
Von der Demonstration zur großtechnischen Wärmeproduktion
Mit dem nun laufenden Betrieb werden weitere Tests in Groß Schönebeck zusätzliche Daten zu Langzeitverhalten, Stabilität und Wärmeentnahmepotenzial unter verschiedenen Betriebsbedingungen liefern. Das Projekt wird am Geothermie-Forschungsstandort Groß Schönebeck nördlich von Berlin in Zusammenarbeit mit dem GFZ durchgeführt. Das Forschungsumfeld biete die Infrastruktur und das wissenschaftliche Fachwissen, um neue Geothermie-Technologien unter realen Untergrundbedingungen zu demonstrieren.
„Der operative Test wird nun wertvolle wissenschaftliche Daten zum Langzeitverhalten liefern und uns helfen, das Potenzial und die Integrität geschlossener geothermischer Systeme zu bewerten,“ sagte Prof. Dr. Hannes Hofmann, Leiter der Helmholtz-Nachwuchsgruppe Advanced Reservoir Engineering am GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung. „Belastbare Daten aus dem Betrieb im Realmaßstab sind unerlässlich, um vielversprechende Geothermiekonzepte in erprobte Lösungen zu überführen“, so Prof. Dr. Ingo Sass, Leiter der Sektion Geoenergie am GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung.
Green Therma treibt die Technologie nach eigenen Angaben bereits im großtechnischen Maßstab voran – mit einem Projekt, das gemeinsam mit Aalborg Forsyning in Dänemark entwickelt wird. Das Projekt wird Heat4Ever von der Demonstration in den kommerziellen Betrieb überführen und geothermische Wärme im Rahmen einer 30-jährigen Wärmeabnahmevereinbarung direkt in das lokale Fernwärmenetz einspeisen. Die Vorbereitungen laufen bereits, die Bohrarbeiten sollen Anfang 2027 beginnen.
