Zeitschrift für Planung, Berechnung und Ausführung
von sanitär-, heizungs- und klimatechnischen Anlagen.

Thermische Solaranlagen speisen 222 MW in Wärmenetze

Solare Wärmenetze in Deutschland (Stand: September 2026). Bild: Solites / SHT / K. Klotz

Während voriges Jahr 11 Solarthermieanlagen mit insgesamt 69.963 m2 (Bruttokollektorfläche) und rund 42 MW Leistung in Betrieb gegangen sind, waren es im laufenden Jahr bisher nur zwei Anlagen, die aber zusammen unter idealen Bedingungen ebenfalls rund 42 MW Leistung in Wärmenetze einbringen und insgesamt 67.094 m2 aufweisen. Denn bei einer der Anlagen handelt es sich um Deutschlands größte Solarthermieanlage. Sie steht in Leipzig-Lausen (Sachsen) und kommt mit ihren Vakuum-Röhrenkollektoren alleine bereits auf 65.208 m2.

Die andere der 2026 ans Netz gegangene Anlage steht in Waldalgesheim (Rheinland-Pfalz) und bringt es auf 1.886 m2 Bruttokollektorfläche. Insgesamt sind damit derzeit 75 solare Wärmenetze in Deutschland in Betrieb mit zusammengerechnet 339.203 m2 und 222 MW thermischer Leistung (Stand September 2026).

Zwei der Anlagen – Bad Rappenau (28.871 m2 Flachkollektoren, seit 2024 in Betrieb) und Dettenhausen (2.312 m2 Vakuum-Röhrenkollektoren, seit 2022 in Betrieb) – speisen nicht nur in solare Wärmenetze ein, sondern liefern auch Wärme für industrielle Prozesse. Damit sind sie neben dem Marktsegment solare Wärmenetze, kurz SDH (Solar District Heating) auch teilweise dem Marktsegment solare Prozesswärme, kurz SHIP (Solar Heat for Industrial Processes) zuzurechnen. Details zu den 2025 in Betrieb gegangenen Anlagen sind am Ende des Beitrags zu finden.

Geplante Anlagen

Derzeit sind nach Angaben von Solites, einem Forschungs-, Beratungs- und Transferunternehmen für thermische Energiesysteme im Steinbeis-Unternehmensverbund, sieben Anlagen in Deutschland in Planung und Bau:

  • drei Anlagen mit jeweils zwischen 12.000 und 14.000 m2: Steyerberg (Niedersachsen), Erkrath (Nordrhein-Westfalen) und Lübeck (Schleswig-Holstein),  
  • eine Anlage in Amöneburg-Rüdigheim (Hessen) mit rund 5.500 m2 sowie
  • drei Anlagen mit jeweils knapp 3.000 m2: Schönwald (Baden-Württemberg), Coswig (Sachsen) und Neutraubling (Bayern)

Zusammen werden diese Anlagen nach Inbetriebnahme weitere 52.727 m2 großflächige Solarthermie mit insgesamt rund 32 MW Leistung bereitstellen.

Technologische Weiterentwicklung und politischen Ziele

Zusätzlich zu den Kollektortypen Vakuum-Röhrenkollektor und Flachkollektor ist die Nutzung solarer Wärme auch durch Anlagen konzentrierender Solarthermie (engl. Concentrated Solar Thermal, CST) möglich, zum Beispiel durch Parabolrinnenkollektoren. Eine der innovativsten Anlagen für solare Prozesswärme in Europa wird laut Solites in Turnhout (Belgien) von Campina Energie betrieben. Die Parabolrinnenanlage liefere hohe Temperaturen bis 330 °C effizient für den Standort von Avery Dennison und zeigt das Potenzial konzentrierender Solarthermie in der Praxis. Ein neuartiger Hochtemperatur-Betonspeicher wurde am Standort ebenfalls gebaut.

Solche Anlagen könnten auch in Deutschland solare Prozesswärme sowie Nah- und Fernwärme bereitstellen. Die Technologie wird im Rahmen des deutschen Verbundvorhabens ProSolNetz genauer untersucht. In Deutschland sind zum jetzigen Zeitpunkt noch keine großen CST-Anlagen für Wärmenetze im Betrieb.

Laut der Studie „Perspektive der Fernwärme“ (Prognos AG, Juni 2024) sollen im Jahr 2045 im deutschen Fernwärmemix 4 TWh/a Wärme durch Solarthermie bereitgestellt werden. Dies entspreche nur einem Bruchteil des deutschen Wärmebedarfs für Wärmenetze, erfordere jedoch umgerechnet bereits rund 10 Millionen m2 Bruttokollektorfläche. Um dies zu erreichen, müssten jährlich ca. 500.000 m2 Solarthermiekollektoren in Betrieb genommen werden.

Anlagen mit Inbetriebnahme 2025

Die 2025 in Betrieb genommenen 11 Anlagen waren (absteigend nach Größe sortiert):

  1. Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern): 24.361 m2 Vakuum-Röhrenkollektoren
  2. Tübingen-Au (Baden-Württemberg): 12.000 m2 Vakuum-Röhrenkollektoren
  3. Bracht (Hessen): 11.637 m2 Flachkollektoren
  4. Delitzsch (Sachsen): 5.493 m2 Vakuum-Röhrenkollektoren
  5. Föhr (Schleswig-Holstein): 3.076 m2 Flachkollektoren
  6. Edingen (Mecklenburg-Vorpommern): 3.000 m2 Flachkollektoren
  7. Regensburg Parkplatzüberdachung (Bayern): 2.937 m2 Vakuum-Röhrenkollektoren und Flachkollektoren
  8. Wolmirstedt (Sachsen-Anhalt): 2.400 m2 Vakuum-Röhrenkollektoren
  9. Jungnau (Baden-Württemberg): 2.193 m2 Vakuum-Röhrenkollektoren
  10. Dresden (Sachsen): 2.000 m2 Vakuum-Röhrenkollektoren
  11. Renquishausen (Baden-Württemberg): 866 m2 Vakuum-Röhrenkollektoren