Der Fachkräftemangel in Handwerksberufen ist groß. Noch im März dieses Jahres schätzte der Zentralverband des Deutsche Handwerks (ZDH), dass rund 200.000 Stellen offen seien. Jedes Jahr im August rückt mit dem Start des neuen Ausbildungsjahres dann auch der ausbleibende Nachwuchs in den Fokus: Tausende Ausbildungsplätze im Handwerk bleiben jährlich unbesetzt – 16.000 waren es laut ZDH 2025. Vielfach stellt sich die Frage, woran das liegen mag: schlechtes Image, zu wenig Ansehen, falsche Wahrnehmung?
Tatsächlich ist die Wahrnehmung erstaunlich positiv, lautet das Ergebnis einer Umfrage, die der Handwerkersoftware-Anbieter Hero Software unter 1.000 Deutschen zwischen 16 und 49 Jahren durchgeführt hat. Mit einem Mittelwert von 4,7 auf einer Skala von 1 bis 6 beurteilen die Befragten Handwerksberufe auch klar als KI-resistent und zukunftssicher (im Gegensatz zu Büro- und Verwaltungsberufe, die 45 Prozent als durch künstliche Intelligenz am stärksten bedrohte Berufsgruppe bezeichnen – das Handwerk landet hier mit nur 11 Prozent auf dem letzten Platz).
Das Problem liege anderswo, folgert Hero aus seiner Umfrage zum Image des Bauhandwerks: Mehr als die Hälfte (54 Prozent, die Summe der grauen Balken im Diagramm oben) hat das Handwerk bei seiner Ausbildungswahl in Betracht gezogen – nur jeder Zehnte hat sich dann wirklich dafür entschieden. Die Lücke von über 40 Prozentpunkten zeige: Das Handwerk verliert nicht beim ersten Eindruck, sondern irgendwo zwischen Interesse und Entscheidung.

Als wichtigster Ablehnungsgrund nennen 66 Prozent der Befragten die körperliche Belastung (Männer mit 65 Prozent fast ebenso häufig wie Frauen mit 67 Prozent).

Dagegen sind die stärksten Treiber für eine Offenheit gegenüber Handwerksberufen die zwei Faktoren Herkunft und Geschlecht:
- Wer mit einem Elternteil im Handwerk aufgewachsen ist, zeigt eine Offenheit von 69 Prozent – wer keine handwerkliche Familie hat, nur 32 Prozent. Das Handwerk rekrutiert sich stark aus sich selbst heraus.
- Männer sind mit 64 Prozent deutlich offener als Frauen mit 44 Prozent. Bei den 16- bis 24-Jährigen ist der Abstand noch größer: rund 70 Prozent bei jungen Männern, rund 46 Prozent bei gleichaltrigen Frauen.
Was Frauen konkret bewegen könnte: 29 Prozent wünschen sich mehr weibliche Vorbilder im Handwerk – der größte Unterschied aller abgefragten Attraktivitätsfaktoren.
