Studien haben nach Angaben des Fachverband Gebäude-Klima e. V. gezeigt, dass eine hohe Raumluftqualität der Konzentration dienlich ist und den Krankenstand senken kann. Die Investition in Lüftungstechnik kommt somit den Mitarbeitenden zugute und rechnet sich für Arbeitgeber, sagt Claus Händel, Geschäftsführer Technik beim FGK. Ein webbasierter Wirtschaftlichkeitsrechner des Verbands liefert Architektur- und Planungsbüros Argumente, die Bauherren und Betriebswirte überzeugen können.
Oft bestehe die Überlegung, (Um-)Baukosten durch Abstriche bei der Gebäudetechnik zu senken und Fensterlüftung statt einer Lüftungsanlage zu wählen. „Offene Fenster lassen Heizungswärme raus und Feinstaub oder Pollen rein“, gibt Claus Händel zu bedenken. „Dazu kommt der erhöhte Geräuschpegel bei offenem Fenster. Das ist der Konzentration nicht zuträglich.“
Fensterlüftung kostet nichts, könnte man einwenden. Doch dieses Argument lässt der Diplom-Ingenieur nicht gelten. „Wer auf eine Lüftungsanlage verzichtet, verschenkt ein erhebliches Einsparpotenzial“, sagt er. Die Aussage ergibt Sinn, wenn man die gesundheitsfördernden Effekte der RLT monetär bewertet und den Vollkosten gegenüberstellt, wie es mit dem Web-Tool des FGK für RLT-Anlagen möglich ist.
„In Sektoren wie ‚Information und Kommunikation‘ oder ‚Finanz- und Versicherungsdienstleister‘ ist ein halber Krankheitstag typischerweise deutlich teurer als die Jahreskosten der RLT-Anlage“, sagt Claus Händel und lädt Fachleute aus Architektur und Planung sowie deren Kundschaft ein, dies nachzurechnen. Im Web-Tool können sie wahlweise BAuA-Daten zu Arbeitsunfähigkeitstagen, Bruttowertschöpfung etc. übernehmen oder eigene Werte eintragen. Auch die Felder zu den Kosten der RLT-Anlage lassen sich editieren.
Vorgeschlagen werden beim Start des Rechners Werte für eine typische RLT-Anlage. Interessierte können eigene Werte für den Luftvolumenstrom pro Mitarbeiter wählen, die Kosten für die Raumlufttechnik festlegen und selbst vorgeben, wie groß sie den Einfluss auf die Ansteckungsgefahr schätzen. Die Berechnung ergibt dann den Break-Even – ab wann der Nutzen die Investitionskosten übersteigt.
„Mehrere Studien kommen zum Ergebnis, dass etwa 20 bis 50 Prozent der Übertragungen von Atemwegserkrankungen in einer unzureichenden Luftqualität begründet sind und sich durch geeignete Lüftungsmaßnahmen vermeiden ließen“, so Claus Händel.
In den Wirtschaftszweigen Information/Kommunikation und Finanzen/Versicherung sind Atemwegserkrankungen wie beispielsweise grippale Infekte, Grippe oder Covid die häufigste Ursache für Krankschreibungen. Sie führen in beiden Branchen zu Arbeitsausfällen von etwa dreieinhalb Tagen pro Person und Jahr. 20 Prozent davon entspräche etwa 0,7 Tagen. In dieser Zeit würden die Beschäftigten eine Bruttowertschöpfung von deutlich über 200 Euro je Person erbringen – in Summe sind das jährlich allein bei den beiden Wirtschaftszweigen ca. 0,6 Mrd. Euro. Die Vollkosten der Lüftungstechnik pro Person und Jahr betragen dagegen nur etwa 135 Euro – inklusive Anschaffung, Wartung und Betrieb für eine Anlage mit Luftbefeuchtung, Bedarfsregelung und Kühlung.
Um das Thema „Wirtschaftlichkeit der Raumlufttechnik – Gesundheit, Innenraumluftqualität, thermische Behaglichkeit“ geht es auch beim Klima-Tag, der am 24. September 2026 zum 17. Mal stattfinden wird.

