In Skandinavien sind sie weitverbreitet – in Deutschland fristen Abluftwärmepumpen jedoch noch ein Mauerblümchendasein. „In der Vergangenheit konnten die Geräte in Kombination mit dem damals gültigen Baustandard oft nicht die komplette Heizlast decken“, beschreibt Produktspezialist Dieter Degner von Qvantum eine der Ursachen.
Das sei heute anders, da die Technik sich weiterentwickelt habe und Gebäude mittlerweile in der Regel besser gedämmt seien. So sei es in modernen, gut gedämmten Neubauten möglich, Heizung, Warmwasser und Lüftung vollständig mit einer Abluftwärmepumpe zu versorgen – also mithilfe nur eines Gerätes, das die warme Luft aus Räumen wie Bad oder Küche nutzt, um daraus Energie für Heizung und Warmwasser zu gewinnen.
Das Funktionsprinzip
Die Abluft strömt über den Verdampfer, der ihr Wärme entzieht; anschließend wird sie als Fortluft nach außen geleitet. Technisch ist sie also eine Luft/Wasser-Wärmepumpe mit dem Vorteil, dass die Abluft ganzjährig eine gleichbleibend hohe Temperatur (selbst im Winter etwa 20 bis 22 °C) und mehr Feuchtigkeit aufweist. Denn die Ablufttemperatur hängt nicht von der Außentemperatur ab, sondern von der Temperatur der Raumluft.
„Wichtig ist nur: Das Gebäude muss zum System passen“, schickt Dieter Degner nach. „In einem energetisch unsanierten Altbau stößt eine Abluftwärmepumpe an ihre Grenzen, im Neubau bis ca. 180 m² hingegen ist sie eine echte Komplettlösung.“ Grenzen zeigen sich bei Heizlasten über 6 kW bzw. 40 W/m² – etwa in schlecht gedämmten Altbauten. Dort reicht die Abluft als Energiequelle nicht aus.
Zugluft wegen kalter Zuluft?
Erst mit der Wärmeschutzverordnung von 1995 habe Deutschland annähernd den schwedischen Baustandard von 1980 erreicht, so der Qvantum-Produktspezialist. Durch EnEV und GEG seien heute aber nahezu alle Neubauten für Abluftwärmepumpen geeignet. Allerdings gibt es einen weit verbreiteten Vorbehalt gegen den Einsatz von Abluftwärmepumpen, der lautet: „Durch die Zuluft zieht kalte Luft ins Haus.“
Dies soll bei dem von Qvantum vertriebenen Modell QE allerdings nicht der Fall sein, wenn die Luftführung richtig geplant wird: „Das System ist so ausgelegt, dass der Luftaustausch gleichmäßig und sanft erfolgt“, betont Dieter Degner. „Die kaum spürbare Zuluft wird kontrolliert über Außenluftdurchlässe in der Wand oder im Rollladenkasten den Wohnräumen zugeführt und vermischt sich sofort mit der Raumluft. Unangenehme Zugluft ist in der Regel nicht wahrnehmbar.“
Blick auf Kosten und Lautstärke
Verbreitet ist auch die Sorge, dass der elektrische Heizstab bei kalter Witterung die Kosten in die Höhe treibt. „Bei korrekt dimensionierten Geräten im Neubau liegt der Bivalenzpunkt unter -3 °C“, versucht er auch diesen Einwand zu entkräften. Unstrittig ist jedoch, dass im Vergleich zu einer klassischen Luft/Wasser-Wärmepumpe die innenaufgestellten All-in-One-Geräte mit Wärmepumpe, Speicher, Lüftung und Regelung den Vorteil haben, keine Außeneinheit, keine Abstandsüberprüfungen, keine Außenfundamente und keine Wanddurchführungen benötigen. Auch der nach außen wirkende Schall ist gedämmt, sodass die Anforderungen der TA Lärm auch in dicht besiedelten Gebieten in der Regel eingehalten werden.
„Installateure loben die einfache Installation und den geringen Platzbedarf, Bauherren freuen sich über niedrige Energiekosten und frische Luft im ganzen Haus“, sei die Erfahrung im Vertrieb der Wärmepumpen. Daher wagt Dieter Degner in einem von Qvantum verbreiteten Interview auch einen optimistischen Blick in die Zukunft: „In fünf Jahren sehen wir die Abluftwärmepumpe in Deutschland dort, wo sie in Skandinavien schon heute steht: als Standardlösung im Neubau.“
Leitfaden Abluftwärmepumpe
Die Entwicklung versucht das Unternehmen auch mit einem kürzlich erschienenen Leitfaden zu den Möglichkeiten der Abluftwärmepumpe voranzutreiben, die unter anderem Funktion und Grenzen der Technologie erläutert und sich an Heizungsinstallateure, TGA-Fachplaner und Architekten wendet.
