In der mittelhessischen Ortschaft Bracht nahe Marburg entsteht ein zukunftsweisendes Wärmeprojekt: Ein saisonaler Erdbeckenspeicher mit rund 26.600 m³ Speichervolumen bildet gemeinsam mit einem rund 12.900 m² großen Solarthermiefeld aus 855 Modulen und einem Nahwärmenetz das Herzstück des ambitionierten Energiekonzepts. Rund zwei Drittel des jährlichen Wärmebedarfs (67 %) werden aus regenerativer Solarenergie gedeckt, ergänzt durch einen Biomassekessel, der mit 700 kW Leistung Spitzenlasten übernehmen kann und so für ein Viertel des Wärmebedarfs sorgt und zwei Wärmepumpen mit jeweils 220 kW elektrischer Anschlussleistung für die restlichen 8 %. Insgesamt sollen so rund 98 % weniger CO₂-Emissionen als bei fossilen Heizsystemen entstehen.
Für das Speichersystem am Ortsrand wurde ein 14 Meter tiefes Becken ausgehoben und mit einer wasserdichten Kunststoffdichtungsbahn ausgekleidet. Abgedeckt wird der Speicher mit einer schwimmenden Dämmung, um die Auskühlung zu reduzieren. Darüber kam eine dreischichtige, etwa 80 cm dicke begehbare Abdeckung.
Kraftakt Heizwasseraufbereitung
Für das Wasser direkt aus dem Dorf Bracht wurden zwei Pumpstationen eingerichtet. Zusätzlich verlegte man über einen Kilometer Feuerwehrschlauch und nutzte die bestehende Hauptleitung. Zur Heizwasseraufbereitung setzten die Brachter Planer auf Orben aus Wiesbaden, der einen TR-10-Trailer in Betrieb nahm. Das stark mit Partikeln versetzte Trinkwasser wurde durch eine abgestimmte Vorfiltration mit unterschiedlichen Filterfeinheiten, Umkehrosmose und Restentsalzung nach der Richtlinie VDI 2035 aufbereitet und ein regelkonformer pH-Wert sichergestellt. Die für die Erstbefüllung des Erdbeckenspeichers benötigte Wassermenge entspricht dem Wasserverbrauch des ganzen Dorfes über knapp sieben Monate. Daher wurde die Entnahme über mehrere Tage und Wochen aufgeteilt, um das Netz nicht zu überlasten. Letztendlich konnte die gesamte Planung erfolgreich umgesetzt werden und im Erdbeckenspeicher befindet sich ausschließlich VDI-konformes Heizungswasser.

Bis zum Winter 2025 sollen alle Häuser an das Nahwärmenetz angeschlossen sein. Die zentrale Speicherung ermöglicht die saisonale Nutzung solarer Überschüsse, das Nahwärmenetz ersetzt viele Einzelheizungen durch ein effizientes, gemeinschaftliches System. Mit wissenschaftlicher Begleitung und intelligenter Regelungstechnik entwickelt sich das Projekt zum Vorbild für andere Regionen.
