In einer gemeinsamen Umfrage von Hero Software und der Job-Plattform PowerUs gaben rund zwei Drittel der 743 befragten Mitarbeitenden aus deutschen Handwerksbetrieben an, bereits darüber nachgedacht zu haben, der Handwerksbranche gänzlich den Rücken zu kehren. Die Gründe dafür sind vielfältig – vor allem aber fehlt es laut der Befragten an Wertschätzung und Perspektiven. Ein Drittel (rund 33,8 %) der Befragten stammte aus dem Elektro-Handwerk, zweitgrößte vertretene Branche war mit 120 Antworten (16,2 Prozent) die SHK-Branche.
Rund 70 Prozent der Befragten planen laut der nicht repräsentativen Umfrage konkret oder möglicherweise einen Jobwechsel: 20 Prozent haben bereits feste Pläne, weitere 50 Prozent würden wechseln, wenn sich eine passende Gelegenheit ergibt. Nur 31 Prozent wollen definitiv bleiben.
Auch der Blick auf die allgemeine Zufriedenheit ergebe ein durchwachsenes Bild: 30 Prozent der Teilnehmenden gaben an, sehr unzufrieden oder unzufrieden mit ihrer aktuellen Arbeitssituation zu sein. Weitere 30 Prozent sind neutral, während rund 40 Prozent mit ihrem Job zufrieden oder sehr zufrieden sind.
Gefragt nach den größten Störfaktoren im Joballtag, steht mangelnde Anerkennung und Wertschätzung mit 47 Prozent ganz oben auf der Liste. Dahinter folgen fehlende Weiterbildungsmöglichkeiten (35 %), fehlende Aufstiegschancen (32 %) und ein verbesserungswürdiger Umgangston (31 %). Nur etwa ein Fünftel (22 %) der Befragten fühlt sich rundum wohl und hat aktuell keinen Anlass zur Kritik.

Was die Befragten sich wünschen
Laut Umfrage wünschen sich Beschäftigte im Handwerk heute an erster Stelle (62 Prozent) überdurchschnittliche Bezahlung. Fast ebenso wichtig sei für 52 Prozent ein gutes Weiterbildungsangebot. Darüber hinaus zählen regelmäßige Feedbackgespräche, vermögenswirksame Leistungen sowie betriebliche Gesundheitsvorsorge für jeweils 47 Prozent der Befragten zu den entscheidenden Leistungen.
Neben Gehalt und Zusatzleistungen spielen auch zwischenmenschliche und praktische Faktoren eine große Rolle. 96 Prozent der Befragten nennen eine faire Bezahlung als zentrales Merkmal eines guten Arbeitsplatzes. Dicht dahinter folgen nette Kolleginnen sowie Kollegen und ein wertschätzendes Miteinander (89 %) sowie gute und respektvolle Führungskräfte (69 %).
Auch die Ausstattung am Arbeitsplatz sei den Beschäftigten wichtig: 65 Prozent legen Wert auf moderne und hochwertige Arbeitsmittel – dazu zählen Werkzeuge, Ausrüstung und Software. Weniger relevant für die meisten sind hingegen die Option auf eine Meisterstelle (21 %) sowie eine große Zahl an Leistungen (22 %).

Das Handwerk stehe demnach nicht nur vor einem Fachkräftemangel, sondern auch vor der Aufgabe, moderne Erwartungen an Arbeitskultur und Wertschätzung ernst zu nehmen. Wer Mitarbeitende halten will, müsse mehr bieten – nicht nur finanziell, sondern auch menschlich. Neben fairer Bezahlung und Weiterbildungsangeboten zählen vor allem Anerkennung, gutes Führungsverhalten und ein wertschätzendes Miteinander.
Gleichzeitig zeige sich, wie wichtig moderne Arbeitsmittel für die tägliche Arbeit sind. Es liegt jetzt an den Betrieben, die richtigen Signale zu setzen – und das Handwerk als attraktiven Arbeitsplatz neu aufzustellen.
