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Kludi: neue Fertigungsstrategie

Bündelung von Fertigungskompetenzen, Forcierung von Automatisierung und Digitalisierung, sozialverträglicher Personalabbau: Zur Sicherung seiner Produktionsstandorte setzt Armaturenspezialist Kludi vor dem Hintergrund einer drohenden weltweiten Rezession auf eine strategische Neuausrichtung seines Fertigungsverbunds, eine systematische Effizienzsteigerung und die Verbesserung von Kostenstrukturen. Bild: Kludi GmbH & Co. KG

In Betriebsversammlungen am Stammsitz in Menden und am Produktionsstandort Hornstein/Österreich hat die Geschäftsführung des Sauerländer Armaturenspezialisten Kludi die Beschäftigten über Pläne zur Umstrukturierung des gesamten Kludi Fertigungsverbunds informiert.

In diesem Zuge sollen in den Werken in Menden, Hornstein und im ungarischen Diósd bis zum Frühjahr 2023 gezielt Fertigungskompetenzen konzentriert werden. Während das Stammwerk im Sauerland zum Entwicklungs- und Produktions-Hub für anspruchsvolle Badarmaturen und Brausen weiterentwickelt wird, wird der Standort in Hornstein zum Innovations- und Fertigungszentrum für Küchenarmaturen umgebaut werden. „Dies schließt den Aufbau eines ‚Specifications Hubs‘ und einer großen Show-Küche mit ein, mit denen wir vor allem Hotel-Betreiber sowie im Hotel-Geschäft tätige Planer und Architekten aus Europa, dem Mittleren Osten und Asien nach Hornstein holen möchten“, erläuterte Julian Henco, Vorsitzender der Kludi Geschäftsführung. Im ungarischen Werk wird sich künftig die Grundfertigung der Kludi Gruppe konzentrieren. Dabei wird sich das mittelständische Unternehmen in seinen drei europäischen Werken auf die Herstellung von Premiumprodukten fokussieren. Armaturen für den Volumenmarkt werden ab 2023 verstärkt in den Vereinigten Arabischen Emiraten gefertigt, um von dort vor allem die „Emerging Markets“ vom Mittleren bis zum Fernen Osten zu bedienen. Dort unterhält Kludi seit 2006 gemeinsam mit seinem Gesellschafter, der RAK Ceramics Gruppe, eine Armaturenfabrik für die Marke Kludi RAK. „Mit dieser Neuausrichtung wollen wir zum einen der Absicht Rechnung tragen, Kludi viel stärker als bisher im Premiumsegment zu verorten: Unsere Marke soll künftig für modernen, gehobenen Lifestyle in Bad und Küche stehen“, hob Julian Henco hervor. Zum anderen gehe es insbesondere darum, Produktionsabläufe effizienter zu gestalten und Kostenstrukturen zu optimieren. Daher ist die gezielte Bündelung von Fertigungskompetenzen in den drei Werken mit einer forcierten Automatisierung und Digitalisierung verbunden. „Beides trägt dazu bei, unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken und unsere drei Fertigungsstandorte langfristig zu sichern“, erklärte Kludi Chef Henco. Gleichzeitig ist angesichts der schwierigen konjunkturellen und politischen Rahmenbedingungen seit dem russischen Angriff auf die Ukraine der Kostendruck noch einmal erheblich gestiegen.  Der Mittelständler wird den ohnehin geplanten strategischen Umbau daher auch nutzen, um dem Anpassungsbedarf auch im Personalbereich frühzeitig entgegnen zu können und dank Unterstützung des Gesellschafters möglichst sozialverträglich zu gestalten. „Auf der einen Seite belasten uns als Industrieunternehmen drastisch gestiegene Preise für Rohstoffe und Energie, eine nach wie vor unsichere Gasversorgungslage und instabile Lieferketten. Auf der anderen Seite haben wir es zusätzlich zu einer drohenden Rezession mit einer spürbaren Nachfrageverschiebung in unserer Branche vom Bad und von der Küche hin zur Heizung zu tun. Mit einer baldigen Entspannung ist hier nicht zu rechnen“, berichtete Julian Henco. So musste Kludi nach vier Jahren des Wachstums im vergangenen Quartal erstmals wieder einen spürbar rückläufigen Auftragseingang verzeichnen. „Um in Anbetracht der schwierigen Umsatz- und Ertragssituation den Fortbestand aller drei Fertigungsstandorte sicherzustellen, werden wir nicht umhinkommen, in Menden, Hornstein und Diósd schrittweise bis Ende März 2023 Personal zu reduzieren“, so Henco. „Das ist eine Entscheidung, die niemand leichten Herzens trifft. Deswegen ist es uns sehr wichtig, gemeinsam mit den Betriebsräten sozialverträgliche Lösungen zu finden.“ Zur Vermeidung von sonst erforderlichen betriebsbedingten Kündigungen sollen in Menden im Rahmen einer Vorruhestandsregelung und eines von der Arbeitnehmervertretung mitgetragenen Freiwilligenprogramms etwa 65 von insgesamt rund 350 Arbeitsplätzen entfallen. In Hornstein stehen in den nächsten Monaten 80 von 140 Stellen, in Diósd 40 von 230 Stellen zur Disposition. Für die erforderliche Personalreduzierung in Ungarn werden sozialverträgliche Varianten genutzt, um betriebsbedingte Kündigungen weitestgehend vermeiden zu können. Für die von einem Stellenabbau betroffenen Beschäftigten in Österreich wird das Unternehmen Sozialpläne erarbeiten. Entsprechende Gespräche mit den Betriebsräten sind bereits aufgenommen worden „Wir setzen bewusst auf eine enge Abstimmung mit den Betriebsräten, um den betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gute Voraussetzungen für ihre berufliche Neuorientierung zu ermöglichen“, erklärte Julian Henco.