BDH/BWP
Position zur Sektorkopplung und zum Strompreis
Der Klimaschutzplan 2050 und das Grünbuch Energieeffizienz formulieren ambitionierte CO2-Ziele in einer Größenordnung von minus 80-95 % bis 2050 im Vergleich zu 1990. Für 2030 liegen Zwischenziele laut Klimaschutzplan 2050 in einer Größenordnung von minus 67 % für den Gebäudebereich vor. Die CO2-Emissionen sollen von heute 119 Mio. t auf 72 Mio. t CO2-Äq. bis 2030 sinken.
Die Klima- und Ressourcenschutzpolitik der Bundesregierung sieht einen starken Ausbau der Erzeugungskapazitäten von Erneuerbare-Energien-Strom, EES, aus Wind und Photovoltaik vor. Parallel zu diesem EES-Wachstum soll in den heute von fossilen Energieträgern dominierten Sektoren Gebäude, Verkehr und Industrie eine Substitution von fossilen Heiz- und Kraftstoffen durch EES erfolgen (Sektorkopplung).
Politik und Wissenschaft erkennen als maßgebliche Technologie zur Kopplung der Sektoren Strom und Gebäude besonders die Wärmepumpe an. Neben der rein elektrischen Wärmepumpe sehen BDH und BWP auch hybride Systeme, die eine Wärmepumpe mit einem Gas- oder Öl-Brennwert-Spitzenkessel kombinieren, als zielführend an, insbesondere für den Gebäudebestand. Alle Systeme zur Sektorkopplung sind ebenfalls geeignet, PV für die Eigenstromnutzung in Kombination mit einer Wärmepumpe oder einem thermischen und elektrischen Speicher zu nutzen. Mit der Sektorkopplung geht die digitale Verknüpfung heiztechnischer Komponenten einher.

Die Bedeutung des Strompreises für den Erfolg der Sektorkopplung
Nur 800.000 (4 %) der knapp 21 Mio. in Deutschland installierten Wärmeerzeuger sind Wärmepumpen. Die positive Marktentwicklung bei Wärmepumpen im Jahr 2016 (+ 17 %) und zu Beginn 2017 ist durch den Neubau getrieben, während der Absatz der Wärmepumpen im Gebäudebestand stagniert. Die Gründe hierfür im Einzelnen:
- häufig zu hohe Systemtemperaturen für einen optimalen Einsatz der Wärmepum- pen und, damit verbunden, Unkenntnis über geringinvestive Maßnahmen zur Temperaturabsenkung bzw. hoher investiver Aufwand für weitergehende Maßnahmen zur Absenkung des Wärmebedarfs
- im Vergleich zu Erdgas und Heizöl (ca. 6 bis 7 Cent pro kWh) zu hoher Strompreis für Wärmepumpen (ca. 21 Cent pro kWh)
- höhere anlagentechnische Investitionskosten bei Wärmepumpen im Vergleich zu Brennwerttechnik im Verhältnis von ca. 2 : 1.
2016 wurden in Deutschland 66.500 Wärmepumpen – ca. zwei Drittel im Neubau und ein Drittel im Bestand – installiert. Dies entspricht etwa 9,5 % des Absatzes von neuen Heizungen. BDH und BWP prognostizieren ein starkes Wachstum des heutigen Bestands von 800.000 Wärmepumpen auf 1,6 bis 2,4 Mio. Anlagen bis 2030. Der Umfang dieses Wachstums hängt in erster Linie von der Preisentwicklung des Wärmepumpenstroms ab.
BDH und BWP sehen als Grundvoraussetzung für die notwendige und erfolgreiche Sektorkopplung mindestens die Verdopplung des jährlichen Absatzes von Wärmepumpen bis zum Jahr 2020 an, wobei insbesondere im Gebäudebestand ein starkes Wachstum erforderlich wäre.
Neben höherem Planungsaufwand und Anschaffungskosten ist das gravierendste Hemmnis für die Durchsetzung dieser zentralen Sektorkopplungstechnologie im Gebäudebereich der zu hohe Strompreis. Dieser ist von 2006 bis 2016 um rund 64 % gestiegen. Diese Entwicklung ist vor allem auf das Anwachsen staatlich regulierter Steuern, Abgaben und Umlagen zurückzuführen, die mittlerweile rund 75 % des Wärmepumpen-Strompreises bestimmen. Aber nicht nur die Wärmepumpe wird in ihrer Marktdurchdringung hierdurch behindert, sondern auch alle weiteren strombasierten Sektorkopplungstechnologien.

Entlastung beim Strompreis
Das derzeitige Finanzierungsmodell der Energiewende, alle Kosten per Umlage auf den Verbraucherstrompreis zu finanzieren, ist nicht mehr tragfähig. Wenn die Klimaschutzpolitik zu Recht die Sektorkopplung bereits heute startet und ein dynamisches Wachstum aller Sektorkopplungstechnologien befürwortet, bedarf es einer deutlichen Entlastung des Strompreises für alle Verbraucher.
Die beiden Verbände befürworten daher in einem ersten Schritt folgende Maßnahmen:
1) Haushaltsfinanzierung der Besonderen Ausgleichsregelung: Im Jahr 2016 genossen mehr als 2.100 Unternehmen EEG-Ausnahmen. Deren Volumen betrug bereits rund 5 Mrd. Euro. BDH und BWP plädieren dafür, diese Summe aus dem Bundeshaushalt zu finanzieren. Dies würde die EEG-Umlage direkt um rund 1,4 Cent/kWh (netto) senken. Diese Maßnahme halten wir auch ordnungspolitisch für geboten, da der Erhalt der internationalen Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Betriebe eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist.
2) Abschaffung der Stromsteuer: Die Stromsteuer wurde eingeführt, um Energieeffizienz anzureizen. Heute verhindert sie jedoch die Steigerung der Energieeffizienz über die Sektorengrenzen hinweg und sollte daher ersatzlos gestrichen werden. Beide Maßnahmen würden die Verbraucherstrompreise um rund 4,1 Cent/kWh (brutto) senken und so einen deutlichen Beitrag leisten, um sämtliche Stromverbraucher – Privathaushalte, mittelständische Unternehmen – zu entlasten sowie die Wettbewerbsfähigkeit von Sektorkopplungstechnologien wie der Wärmepumpe zu verbessern.
Darüber hinaus ist es erforderlich, den Smart Meter Rollout stärker voranzutreiben, um kurzfristig variable Stromtarife (temporär deutlich unter 15 Cent/kWh) zu ermöglichen. Diese sind insbesondere für die Marktdurchdringung von hybriden Wärmepumpen unerlässlich.
www.bdh-koeln.de
www.waermepumpe.de