Korrosionsschutz
Forschungsprojekt zur Entzinkungsbeständigkeit neuartiger Messinglegierungen

Der Prüfstand besteht aus drei Versuchsanlagen in Anlehnung an DIN EN 15664 1 mit separater Steuerung und jeweils vier Prüfstrecken.


Moderne Messingwerkstoffe müssen bei ihrem Einsatz in Trinkwasserinstallationen den gestiegenen Anforderungen seitens der Gesetzgeber hinsichtlich hygienischer Unbedenklichkeit genügen. Der deshalb notwendige weitgehende Verzicht auf Blei als Legierungselement hat neuartige Messinglegierungen mit anderer chemischer Zusammensetzung und Gefügestruktur auf den Markt gebracht. Im Unterschied zu den bisher verwendeten Materialien gibt es aber noch keine praktischen Erfahrungen oder Langzeituntersuchungen zum Verhalten dieser Messinge in korrosiven Trinkwässern.

Seit September 2015 untersuchen Mitarbeiter des IKS Dresden im Rahmen eines vom BMWi über den Projektträger EuroNorm (INO-KOM OST: MF140235) geförderten FuE-Projektes die Beständigkeit neuartiger Messinglegierungen im Trinkwasserbereich (Kaltwasser) unter entzinkungsfördernden Bedingungen. Die Untersuchungen werden an einem komplexen, elektronisch gesteuerten Prüfstand aus drei separaten Versuchsanlagen mit jeweils vier Prüfsträngen in Anlehnung an DIN EN 15664-1 durchgeführt. Als erster Höhe-punkt des Projektes wurde dieser Prüfstand im Frühjahr 2016 erfolgreich in Betrieb genommen und die erste von vier Versuchsreihen gestartet. Die Anlage gestattet, die für die Stabilität der Messinglegierungen im Trink-wasser entscheidenden Parameter wie Carbonathärte und Chloridgehalt in ihren Konzentrationen zu variieren. Darüber hinaus wird an ausgewählten Versuchspunkten durch zusätzliche Sulfatdosierung der Einfluss dieser Komponente auf die Entzinkungsbeständigkeit des Materials untersucht.

Beratungstool wird erstellt

Ziel der umfangreichen Versuchsreihen des Forschungsprojektes ist die Erstellung eines Beratungstools zur sicheren Verwendung neuartiger Messinglegierungen in Trinkwässern unterschiedlichster Zusammensetzung. Der Einsatz von Messingwerkstoffen, z.B. im Armaturenbereich, erfolgt derzeit immer noch in Anlehnung an das 1961 veröffentlichte Turner-Diagramm, welches die Beständigkeit des bleihaltigen Automatenmessings Ms58 in Trinkwässern abhängig von der Carbonathärte und dem Chloridgehalt beschreibt ($Turner, M. E. D. „The In-fluence of Water Composition on the Dezincification of Duplex Brass Fittings.“ Proceedings of the Society for Water Treatment and Examination, 1961: 162-179). Im Forschungsprojekt werden einerseits die Erkenntnisse von Turner im Kontext heutiger genormter Prüfvorschriften unter realitätsnahen Strömungsbedingungen mit wechselnden Spül- und Stagnationszyklen überprüft. Andererseits erfolgen umfangreiche Untersuchungen zum Korrosionsverhalten von zunächst zwei Messinglegierungen der neuen Generation unter Einfluss verschiedenster Trinkwasserqualitäten.
Nach Abschluss des Forschungsprojektes (planmäßig III. Quartal 2018) kann der Prüfstand für weitere Forschungsprojekte genutzt werden. Außerdem besteht die Möglichkeit, im Auftrag für Industriekunden Werkstoff-untersuchungen in unterschiedlichen Wasserqualitäten vorzunehmen oder vergleichende Prüfungen an den bestehenden Anlagen des IKS durchzuführen.
www.iks-dresden.de



INSTITUT FÜR KORROSIONSSCHUTZ DRESDEN GMBH
Das Institut für Korrosionsschutz Dresden (IKS) ist eine gemeinnützige externe Industrieforschungseinrichtung, die mit mehr als 50 Jahren Expertise die Korrosionsvorgänge an metallischen Werkstoffen erforscht, sowie Prüfverfahren und komplette Technologien für den Korrosionsschutz entwickelt. Die durchgeführten Forschungsarbeiten sind in der Mehrzahl öffentlich geförderte FuE-Projekte in Zusammenarbeit mit kleinen und mittelständischen Unternehmen. Ebenso erfolgt am Institut Auftragsforschung für Großunternehmen.
Fragestellungen zur Korrosion in Trinkwasserinstallationen werden in der Abteilung Überzüge und Analytik bearbeitet, die über ein DAkkS-akkreditiertes Labor mit einem modernen Bestand an Analysegeräten und hoch qualifiziertes Fachpersonal verfügt. Hier erfolgt die normkonforme Prüfung von Werkstoffen für den Trinkwassereinsatz (u.a. Entzinkungsbeständigkeit, Beständigkeit gegenüber Spannungsrisskorrosion, elektrochemische Messungen), aber auch die Untersuchung kundenspezifischer Problemstellungen. Den kompetenten Mitarbeitern aus den Fachbereichen Chemie, Chemieingenieurwesen, Maschinenbau und Werkstoffwissenschaft stehen zahlreiche analytische Methoden zur werkstoffseitigen (REM/EDX, Funkenspektrometer, Auflicht- und Stereo-mikroskop) und mediumsseitigen (ICP-OES, AAS, IC) Betrachtung von Korrosionserscheinungen zur Verfügung. Gleichzeitig betreut das IKS mehrere Versuchsanlagen an unterschiedlichen Standorten mit verschiedenen Trinkwasserqualitäten zur Prüfung metallischer Werkstoffe in Anlehnung an DIN EN 15664-1.

Terminhinweis
Der Arbeitsbereich „Korrosion in wasserführenden Anlagen“ umfasst zusätzlich die Bearbeitung von Fragestel-lungen aus dem Kalt- und Warmwasserbereich, der industriellen Kühlung und der Prozesswässer. Das am 30.11.2016 in Dresden stattfindende Seminar „Einsatz metallischer Werkstoffe in Trinkwasserinstallationen“ gibt einen Überblick über verschiedene Aspekte dieser Thematik. Weiterhin werden aktuelle Forschungsvorhaben vorgestellt.
Kontakt: 0351/871 7100