FLiB: Blower-Door-Tests sind mehr als nur Kennwert-Lieferanten

 Verfasst am 07.08.2018

Aus Sicht vieler Bauherren muss ein Blower-Door-Test nur einen Zweck erfüllen: Er soll einen Kennwert liefern, den man bei der Bank vorlegen und in seinen Unterlagen abheften kann.

Diese Haltung machten die Mitglieder des Fachverbands Luftdichtheit im Bauwesen e. V. als ein Grundproblem aus, als sie der Frage nachgingen, wie man Auftraggebern den Wert und Mehrwert qualitativ hochwertiger Luftdichtheitsmessungen vermitteln kann. Den Rahmen für ihre Überlegungen bot ein Workshop im Vorfeld der diesjährigen FLiB- Mitgliederversammlung.

„Aus unseren Mitgliederbefragungen wissen wir, dass nahezu 80 Prozent aller Dichtheitstests als EnEV-Schlussmessugen durchgeführt werden. Wer Luftdichtheitsmessungenauf das Ermitteln von Kennwerten reduziert, verkennt ihr großes Potenzial als machtvolles Instrument der Qualitätsicherung und zum Schutz vor Bauschäden“, erläutert FLiB-Geschäftsführer Dipl.-Ing. Oliver Solcher.

Vorgezogene Dichtheitstests bereits in der Bauphase etwa decken Leckagen in der Gebäudehülle auf, solange sich diese noch unkompliziert ausbessern lassen. So könnten wenige hundert Euro für den zusätzlichen Blower-Door-Einsatz oftmals einen fünfstelligen Betrag einsparen. Denn die fallen leicht an, wenn sich beispielsweise eine zum Zeitpunkt der Schlussmessung nicht mehr zugängliche Fehlstelle später zum massiven Ärgernis und Grund für umfangreiche Sanierungsmaßnahmen oder sogar gerichtliche Auseinandersetzungen auswächst. Daher rät der Fachverband nicht nur Bauherren zur frühzeitigen Dichtheitsprüfung. Gerade auch Planer und Handwerker könnten sich mit solchen Kontrollen vor Reklamationen schützen und nachweisen, dass sie korrekt gearbeitet haben.

Ein weiteres Problem, das viele FLiB-Mitglieder beobachten: Wenn Kunden sich vorrangig für einen Stempel in ihren Unterlagen interessieren, drängen Anbieter auf den Markt, die Blower-Door-Tests zu Niedrigpreisen durchführen. „Nun muss ein Dichtheitstest nicht zwangsläufig schlecht sein, nurweil er günstig ist“, relativiert FLiB-Geschäftsführer Solcher. Doch häufig kommt der niedrige Preis dadurch zustande, dass ganze Arbeitsschritte ausgelassen werden, die für eine normgemäße und dadurch auch EnEV-konforme Messung notwendig sind. Um Missbrauch vorzubeugen, hofft er auf verstärkte Kontrollen der Prüfberichte sowie klare Anforderungen an die Qualifikation der Messdienstleister seitens der einschlägigen öffentlichen Stellen.

Mit Blick auf die Bauschadensfreiheit und Energieeffizienz von Gebäuden führe letztlich kein Weg an baubegleitenden Blower-Door-Tests vorbei. Potenzielle Auftraggeber über den Nutzen des Verfahrens jenseits von Kennwerten und Schlussmessungen aufzuklären, identifizierten die Teilnehmer des FLiB-Workshops daher als wichtige Aufgabe für ihre eigene Kommunikationsarbeit und die des Verbandes.

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