VQC: Neues Bauvertragsrecht stärkt Interessen der Bauherren

 Verfasst am 22.04.2018

Im Zweifel auf Nummer sicher: eine Qualitätskontrolle durch den VQC-Sachverständigen. Bild: vqc

Seit Beginn dieses Jahres ist das neue Bauvertragsrecht in Kraft. Mit dem Gesetz werden Bauherren generell mehr Rechte zugestanden, aber auch Bauunternehmen können von der Novellierung profitieren.

Generell soll durch eine möglichst große Transparenz in der Vertragsgestaltung der Bauherr vor Pleiten, Pech und Pannen geschützt werden. Der Verein zur Qualitäts-Controlle am Bau e. V. (Stauffenberg) – VQC- prüft seit 2005 Einfamilienhäuser während der Bauphase. Mehr als 20.000 Einfamilienhäuser wurden seitdem nach dem bewährten VQC-System geprüft. „Endlich müssen Baubeschreibungen auch für den Endverbraucher verständlich gestaltet sein und vor allem ein verlässlicher Fertigstellungstermin im Vertrag fixiert sein“, lobt VQC-Vorsitzender Udo Schumacher-Ritz. Das bringt den Bauherren Planungssicherheit und vor allem erspart ein zuverlässiger Einzugstermin teure und unnötige Mietzahlungen. In der Baubeschreibung sind zudem bautechnische Details aufgeführt, mit denen die Bauherren belegen können, dass das geplante Haus auch tatsächlich den gesetzlichen Vorgaben entspricht – das hilft im Umgang mit den Behörden. Für Haus-Anbieter, die den Kunden bisher schon alle notwendigen Vetrags- und Planungsunterlagen in ausreichender Form offengelegt haben, ändert sich an dieser Stelle wenig. Alle anderen sind jetzt dazu gezwungen, die Karten offen auf den Tisch zu legen, die aufzeigen, welche Leistungen im Kaufpreis wirklich enthalten sind oder eben nicht. Das erleichtert den Vergleich mehrerer Angebote.

Ebenfalls als verbraucherfreundlich und Schritt in die richtige Richtung sieht der VQC das Widerrufsrecht, dass privaten Bauherren jetzt erlaubt, Bauverträge 14 Tage nach Abschluss zu widerrufen – und das ohne Angabe von Gründen. Von Nachteil ist an dieser Stelle aber unter Umständen, dass der Planungs- und Baubeginn damit aufgeschoben werden muss, denn kein Unternehmer wird in Vorleistung gehen, solange der künftige Bauherr noch zurücktreten kann.

Ein entscheidendes Plus an Sicherheit ist nach Einschätzung der Sachverständigen- Organisation die im Bauvertragsrecht neu geregelte, reduzierte Abschlagszahlung von maximal 90 Prozent. Im Klartext: 10 Prozent der Kaufsumme kann zurückgehalten werden, der Rest wird erst bei Übergabe fällig. Dem Endverbraucher wird auf diesem Wege die Position gegenüber dem Bauunternehmen erheblich verbessert und die Bereitschaft, ordentlich und möglichst fehlerfrei zu arbeiten, wächst spürbar. Um Willkür zu vermeiden ist die Abnahmeregelung ebenfalls im neuen Bauvertragsrecht präzise geregelt und auch das Bauunternehmen geschützt: Laut §640, Absatz 2 gilt ein Werk als abgenommen, wenn das Handwerksunternehmen dem Auftraggeber nach Fertigstellung des Werkes eine angemessene Frist zur Abnahme gesetzt hat und der Auftraggeber die Abnahme nicht innerhalb dieser Frist unter Angabe mindestens eines Mangels verweigert hat. Wenn der Bauherr jedoch die Abnahme unter Angabe von Mängeln verweigert, hat er auf Verlangen des Bauunternehmens an einer gemeinsamen Feststellung des Zustandes des Hauses mitzuwirken. Wird dies vom Auftraggeber jedoch aktiv verhindert, kann der Bauträger einen Bauzustandsbericht durch einen Bausachverständigen erstellen lassen und somit eine de facto-Abnahme ohne Anwesenheit des Bauherrn erwirken. Problematisch könnte die 10%-Regelung werden, weil hier nicht unerheblich in die Liquiditätsplanung der Bauunternehmer eingegriffen wird. Insbesondere kleinere Unternehmen könnten gezwungen sein, die Preise anzuheben – was wiederum nachteilig für den Verbraucher ist. Die Folgen für die Bauwirtschaft sind im Moment noch gar nicht absehbar.

Maßnahmen, die die Verbraucherrechte stärken, sind laut VQC generell zu begrüßen, dürfen aber auch die Gegenseite nicht überdurchschnittlich benachteiligen. Die Sachverständigen-Organisation weist aber darüber hinaus darauf hin, dass trotz aller Gesetzesänderungen eine Qualitätskontrolle durch einen Sachverständigen während der Bauphase noch immer die beste Möglichkeit ist, ein fehlerfreies und damit auch sorgenfreies Eigenheim zu beziehen.

Aber nicht nur Bauherren profitieren von dem neuen Bauvertragsrecht: Auch die Interessen und Rechte von Handwerker werden in der Gesetzesnovelle gestärkt. Denn ab sofort können ausführende Handwerker einen Ersatzanspruch gegenüber dem Lieferanten von Baumaterial etc. geltend machen. Bislang sind Handwerker auf den Kosten sitzen geblieben, wenn auf Grund von Materialmängeln entstanden sind. Handwerker einen Erstattung der Materialkosten, inkl. der Arbeitskosten. Ausnahmen: Wenn Hersteller und Lieferanten die Haftung in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen ausgeschlossen haben. Darauf weist der Verein zur Qualitäts-Controlle e. V. hin.

http://www.vqc.de